Heimserver oder VPS: die Jahreskosten in Deutschland
Strom statt Hardware bestimmt die Rechnung. Hier ist das Modell für die Jahreskosten eines Heimservers in drei Wattklassen, mit dem Vergleich zu einem kleinen VPS.
Was ein Heimserver in Deutschland pro Jahr kostet
Bei einem Heimserver in Deutschland zahlst du vor allem Strom, und erst danach Hardware. Ein Gerät, das rund um die Uhr läuft, hängt 8760 Stunden im Jahr am Netz. Deshalb entscheidet die Leistungsaufnahme im Leerlauf über die Rechnung und nicht der Kaufpreis. Ein Board der Pi-Klasse mit 8 W kostet im Modell unten rund 25 Euro Strom im Jahr. Derselbe Dienst auf einem alten Tower mit 65 W kostet rund 199 Euro. Das ist der Abstand zwischen einem Betrag, den du auf der Abrechnung nicht bemerkst, und einem Betrag, der über der Miete eines kleinen VPS liegt.
Die englischsprachigen Rechnungen im Netz helfen hier wenig. Sie setzen Strompreise an, die für deutsche Haushalte nicht gelten, und sie nehmen an, dass der Anschluss zu Hause von außen erreichbar ist. Beides trifft hier meistens nicht zu. Diese Seite zeigt die Rechnung deshalb offen, mit Zahlen, die du durch deine eigenen ersetzt.
Die Formel für die Stromkosten
Watt * 24 * 365 / 1000 = kWh pro Jahr
kWh pro Jahr * Arbeitspreis in Euro je kWh = Euro pro Jahr24 * 365 / 1000 ergibt 8,76. Du kannst also kurz rechnen: Watt mal 8,76 mal Arbeitspreis. Ein Gerät mit 20 W Leerlaufleistung braucht 175,2 kWh im Jahr. Bei einem Arbeitspreis von 0,35 Euro je kWh sind das 61,32 Euro.
In die Formel gehört der Arbeitspreis, nicht der monatliche Abschlag und nicht der Grundpreis. Der Grundpreis fällt pro Zählpunkt an. Er ändert sich nicht, weil ein zusätzliches Gerät im Regal steht. Nur der Preis je Kilowattstunde wird mit deinem Verbrauch multipliziert, und er steht auf deiner letzten Jahresabrechnung.
Annahme für diesen Artikel: 0,35 Euro je kWh. Das ist eine Rechengröße, keine Marktangabe. Prüfe deinen eigenen Tarif. Er bewegt sich, und er unterscheidet sich je nach Anbieter und Vertrag deutlich.
Drei Wattklassen bei drei Preisannahmen
The data behind this chart
[
{
"label": "0,25 Euro/kWh",
"pi_8w": 18,
"minipc_20w": 44,
"tower_65w": 142
},
{
"label": "0,35 Euro/kWh",
"pi_8w": 25,
"minipc_20w": 61,
"tower_65w": 199
},
{
"label": "0,45 Euro/kWh",
"pi_8w": 32,
"minipc_20w": 79,
"tower_65w": 256
}
]Die Aufklapp-Ansicht unter dem Diagramm zeigt die Zeilen, mit denen gerechnet wurde. Jede davon ist nur die Formel von oben mit einer anderen Zahl.
Beim kleinen Board ist der Abstand zwischen den Preisannahmen klein. Beim Tower ist er groß: 142 Euro bei 0,25 Euro je kWh gegen 256 Euro bei 0,45 Euro je kWh. Je mehr Watt dauerhaft laufen, desto stärker wirkt jede Preisänderung, weil Verbrauch und Preis miteinander multipliziert werden. Ein sparsames Gerät schützt dich also auch gegen einen steigenden Tarif.
Schätze die Watt nicht, miss sie
Die Angabe auf dem Netzteil ist die maximale Abgabeleistung. Über den Leerlauf sagt sie nichts. Eine Messsteckdose kostet unter 20 Euro und zeigt dir den echten Wert nach wenigen Minuten. Miss im Leerlauf, weil ein Heimserver die meiste Zeit wartet. Nextcloud wartet auf Anfragen, und Jellyfin transkodiert nachts nichts.
Zwei Posten werden dabei regelmäßig unterschätzt. Jede drehende 3,5-Zoll-Festplatte zieht im Leerlauf grob 4 bis 8 W, vier Platten kommen damit schnell auf 25 W, die 24 Stunden am Tag anfallen. Dazu kommt der Wirkungsgrad des Netzteils: ein 650-W-Netzteil, das nur 30 W liefern soll, arbeitet weit unterhalb seines besten Punktes und verheizt einen spürbaren Anteil davon.
Hardware ehrlich abschreiben
Abschreibung heißt hier nur: Kaufpreis geteilt durch die Jahre, die das Gerät läuft. Wer den vollen Kaufpreis ins erste Jahr rechnet, vergleicht eine einmalige Ausgabe mit einer Monatsmiete. Das Ergebnis ist dann immer zugunsten der Miete verzerrt.
- Board der Pi-Klasse mit Netzteil, SSD und Gehäuse: rund 200 Euro bei 5 Jahren Nutzung, also 40 Euro im Jahr.
- Gebrauchter Mini-PC aus dem Bürobestand mit 16 GB RAM: rund 250 Euro bei 5 Jahren Nutzung, also 50 Euro im Jahr.
- Alter Tower, der schon im Keller steht: 0 Euro Anschaffung, weil er bezahlt ist. Die Platten darin sind trotzdem Verschleißteile.
Diese Beträge sind grobe Richtwerte vom Gebrauchtmarkt im September 2026 und keine Preisliste. Setze deine eigenen Zahlen ein, die Formel bleibt gleich.
Für die Platten rechne ich mit vier Stück zu je rund 150 Euro und einer Nutzungsdauer von vier Jahren. Das ergibt 150 Euro im Jahr, allein für Datenträger. Festplatten fallen aus. Über genug Jahre ist das der Normalfall und kein Unglück. Wer diesen Posten weglässt, rechnet sich den Heimserver schön.
Die Posten, die in keiner Rechnung stehen
- Eine USV (unterbrechungsfreie Stromversorgung) kostet grob 120 Euro und hält etwa 5 Jahre, also rund 24 Euro im Jahr. Der Akku altert auch dann, wenn nie ein Stromausfall kommt.
- Eine Domain kostet je nach Endung grob 10 bis 15 Euro im Jahr. Kostenlose DynDNS-Dienste (dynamisches DNS, also ein Name, der deiner wechselnden IP-Adresse folgt) gibt es, manche verlangen aber eine regelmäßige Bestätigung, sonst wird der Eintrag gelöscht.
- Der Router läuft ohnehin, also zählt er nicht als zusätzlicher Posten. Er muss aber durchlaufen, auch wenn niemand zu Hause ist.
- Deine Zeit steht in keiner Tabelle: Updates einspielen, und irgendwann der Umzug auf neue Hardware.
Die USV ist der Posten, den man am liebsten streicht. Sie schützt vor einem Ausfall mitten in einem Schreibvorgang. Ein Journaling-Dateisystem wie ext4 übersteht das meistens, eine Datenbank mitten in einer Transaktion nicht zuverlässig. Im Rechenzentrum bezahlt der Anbieter genau diesen Posten für dich, und er steckt schon in der Monatsmiete.
Das Gesamtmodell, mit einem kleinen VPS daneben
The data behind this chart
[
{
"label": "Pi-Klasse, 8 W",
"strom": 25,
"hardware": 40,
"miete": 0,
"nebenkosten": 15,
"summe": 80
},
{
"label": "Mini-PC, 20 W",
"strom": 61,
"hardware": 50,
"miete": 0,
"nebenkosten": 39,
"summe": 150
},
{
"label": "Alter Tower, 65 W",
"strom": 199,
"hardware": 150,
"miete": 0,
"nebenkosten": 39,
"summe": 388
},
{
"label": "Kleiner VPS",
"strom": 0,
"hardware": 0,
"miete": 84,
"nebenkosten": 15,
"summe": 99
}
]Der VPS in der letzten Zeile ist mit 7 Euro im Monat angesetzt, also 84 Euro im Jahr. Auch das ist eine Annahme und kein Angebot. Wie Miete, RAM und Speicherplatz zusammenhängen, steht in der Aufschlüsselung, was ein VPS pro Monat und pro Jahr wirklich kostet.
Im Modell kostet das kleine Board 80 Euro im Jahr und liegt damit knapp unter dem VPS mit 99 Euro. Der gebrauchte Mini-PC kommt auf 150 Euro, weil er mehr Watt zieht und eine USV bekommt. Der alte Tower kostet 388 Euro im Jahr, also fast das Vierfache des VPS.
Das ist das wichtigste Ergebnis dieser Rechnung. Der häufigste Denkfehler lautet: die Hardware habe ich ja schon. Das stimmt für die Anschaffung. Im Betrieb ist genau diese alte Hardware die teuerste Variante, weil sie die meisten Watt über 8760 Stunden zieht. Ein 65-W-Tower kostet dich jedes Jahr mehr Strom, als ein sparsames Board insgesamt kostet.
Warum dein Heimserver von außen nicht erreichbar ist
Geld ist nur die halbe Frage. Die andere Hälfte ist Erreichbarkeit, und hier unterscheidet sich Deutschland von den meisten englischsprachigen Anleitungen. Viele Anschlüsse laufen als DS-Lite (Dual-Stack Lite). Der Anschluss bekommt dabei ein eigenes IPv6-Präfix, IPv4 läuft aber über ein Gateway beim Anbieter, das sich viele Kunden teilen. Diese Adressumsetzung beim Anbieter heißt CGNAT (Carrier-Grade NAT).
Die Folge ist konkret: Eine Portfreigabe im Router bleibt für IPv4 wirkungslos, weil die öffentliche IPv4-Adresse nicht deinem Anschluss gehört. Es gibt niemanden, der eingehende Verbindungen auf dieser Adresse zu dir weiterleitet.
Der Test dauert eine Minute. Vergleiche die WAN-Adresse in der Oberfläche deines Routers mit der Adresse, die dir eine Seite wie ifconfig.me anzeigt. Sind beide verschieden, oder liegt die WAN-Adresse im Bereich 100.64.0.0 bis 100.127.255.255, dann sitzt du hinter CGNAT. Über IPv6 bist du weiterhin erreichbar, sofern der Router die Freigabe erlaubt. Wer dich nur über IPv4 besuchen kann, erreicht dich damit nicht.
Die übliche Lösung ist ein kleiner gemieteter Server mit eigener öffentlicher IPv4-Adresse als Eingangspunkt. Der Heimserver baut den Tunnel von innen nach außen auf, und der gemietete Server nimmt die Verbindungen von außen an. Genau das beschreibt ein Subnet-Router auf einem VPS, der dein Heimnetz von außen erreichbar macht. Der Unterschied zu einem reinen VPN für dich selbst ist dabei größer, als der Name vermuten lässt, und was ein VPS und ein VPN jeweils lösen trennt die beiden Begriffe sauber. Wichtig für die Rechnung: Mit dieser Lösung steht die VPS-Miete wieder in der Tabelle. Der Heimserver ersetzt den VPS dann nicht, er kommt dazu.
Die zweite Grenze ist der Upstream. Alles, was Besucher von deinem Heimserver laden, geht durch die Uploadrichtung deines Anschlusses. Bei vielen Verträgen ist sie deutlich schmaler als der Download, und sie teilt sich mit allem anderen im Haushalt.
Ist ein eigener Server sinnvoll?
Für bestimmte Aufgaben ja, für andere nicht. Der Heimserver gewinnt hier:
- Speicher in großen Mengen. Ein großes Laufwerk zu Hause kostet einmal Geld, dieselbe Kapazität zur Miete kostet jeden Monat.
- Zugriff mit Netzwerkgeschwindigkeit. Im eigenen LAN ist 1 Gbit/s normal, und kein Privatanschluss liefert das in beide Richtungen ins Internet.
- Hardware, die schon bezahlt ist, für Dienste ohne Anspruch an Erreichbarkeit von außen.
- Daten, die das Haus nicht verlassen.
Der gemietete Server gewinnt hier:
- Erreichbarkeit von außen, mit eigener öffentlicher IPv4-Adresse und ohne CGNAT.
- Verfügbarkeit, die nicht davon abhängt, ob zu Hause der Strom ausfällt oder jemand den Router neu startet.
- Anbindung im Rechenzentrum, also symmetrische Bandbreite statt schmalem Upstream.
- Den Stromverbrauch zahlt jemand anderes. Er steckt schon in der Monatsmiete.
Welche Dienste in welche Spalte gehören, hängt an der Last. Eine Übersicht, welche Dienste sich 2026 überhaupt selbst hosten lassen, hilft bei der Auswahl, und wie groß ein VPS für typische Aufgaben sein muss verhindert, dass du für RAM bezahlst, das leer bleibt.
Viele nehmen am Ende beides
Diese Aufteilung folgt den Stärken beider Seiten. Das NAS (network attached storage, also der Speicherserver im eigenen Netz) hält die großen Datenmengen, weil Terabyte im Regal billiger sind als Terabyte zur Miete. Ein kleiner VPS steht als öffentliche Vordertür davor und nimmt alles an, was von außen kommt. Der Heimserver bleibt damit im eigenen Netz, und trotzdem ist der Dienst erreichbar.
In dieser Kombination zahlst du beides, also Strom zu Hause und Miete im Rechenzentrum. Genau deshalb lohnt sich die Wattmessung: Je sparsamer die Kiste zu Hause, desto kleiner der Posten, den der VPS oben draufsetzt. Wer die Speicherfrage an Zahlen festmachen will, findet in dem direkten Vergleich zwischen Storage-VPS und NAS zu Hause die Rechnung dafür, und ein NAS auf einen Storage-VPS sichern beschreibt die Sicherung außer Haus, die ein Heimserver allein nicht leisten kann.
FAQ
Wie berechne ich die Stromkosten meines Heimservers?
Nimm die Leistungsaufnahme im Leerlauf in Watt und rechne: Watt mal 24 mal 365 geteilt durch 1000. Das ergibt den Jahresverbrauch in kWh. Diesen Wert multiplizierst du mit dem Arbeitspreis deines Tarifs in Euro je kWh, nicht mit dem Abschlag und nicht mit dem Grundpreis. Ein Gerät mit 20 W kommt so auf 175,2 kWh im Jahr, bei 0,35 Euro je kWh also auf 61,32 Euro. Die Watt solltest du mit einer Messsteckdose messen, weil die Angabe auf dem Netzteil die Maximalleistung ist und nicht den Leerlauf.
Ab wann ist ein VPS günstiger als der Server zu Hause?
In der Modellrechnung oben liegt ein sparsames Board bei 80 Euro im Jahr und damit unter dem angesetzten VPS mit 99 Euro. Ein alter Tower mit 65 W liegt bei 388 Euro und damit klar darüber. Die Grenze verschiebt sich mit deinem Strompreis und mit der Wattzahl deines Geräts, deshalb solltest du beide Werte selbst einsetzen. Als Faustregel: Ab etwa 30 W Dauerlast ist ein kleiner gemieteter Server bei üblichen Haushaltstarifen schwer zu unterbieten.
Warum ist mein Heimserver von außen nicht erreichbar?
Sehr wahrscheinlich läuft dein Anschluss als DS-Lite hinter CGNAT. Die öffentliche IPv4-Adresse gehört dann einem Gateway deines Anbieters und wird von vielen Anschlüssen gemeinsam genutzt, also läuft eine Portfreigabe im Router für IPv4 ins Leere. Prüfe es, indem du die WAN-Adresse im Router mit der Adresse vergleichst, die dir eine Seite wie ifconfig.me zeigt. Liegt die WAN-Adresse zwischen 100.64.0.0 und 100.127.255.255, ist es CGNAT. Über IPv6 bleibt der Anschluss erreichbar, für IPv4-Besucher brauchst du einen Eingangspunkt mit eigener öffentlicher Adresse.
Brauche ich für einen Heimserver eine USV?
Wenn auf dem Server Daten liegen, die dir wichtig sind, dann ja. Ein Stromausfall mitten in einem Schreibvorgang kann eine Datenbank in einem halb geschriebenen Zustand hinterlassen, und ein Journaling-Dateisystem schützt nur das Dateisystem, nicht den Inhalt der Anwendung. Rechne mit grob 120 Euro Anschaffung und einer Akkulebensdauer von etwa 5 Jahren, also rund 24 Euro im Jahr. Der Akku altert auch ohne Stromausfall, plane den Austausch also von Anfang an ein.
Lohnt sich ein alter PC als Heimserver, weil er schon da ist?
Für die Anschaffung ja, für den Betrieb selten. Ein alter Tower mit 65 W kostet im Modell 199 Euro Strom im Jahr, ein sparsames Board mit 8 W nur 25 Euro. Die Differenz bezahlt ein gebrauchtes sparsames Gerät oft schon im ersten Jahr. Dazu kommt, dass alte Netzteile bei niedriger Last einen schlechten Wirkungsgrad haben und alte Platten ausfallen. Miss den Leerlauf deines alten Rechners, bevor du ihn dauerhaft einschaltest.