Linux oder Windows Server: Was passt zu Ihnen?
Linux ist kostenlos und ressourcenschonend, Windows Server punktet mit Active Directory, .NET Framework und SQL Server. Dieser Vergleich zeigt Kosten und Einsatzgebiete.
Die kurze Antwort
Für die meisten Web- und Cloud-Workloads ist Linux die Standardwahl: Es ist kostenlos, benötigt wenige Ressourcen, und die gesamte Open-Source-Serverwelt basiert darauf. Windows Server ist die richtige Wahl, wenn Sie gezielt etwas aus dem Microsoft-Ökosystem benötigen, beispielsweise Active Directory, das klassische, nur unter Windows verfügbare .NET Framework, Microsoft SQL Server oder eine Geschäftsanwendung, die ausschließlich unter Windows läuft. Die Entscheidung hängt weniger davon ab, welches System abstrakt betrachtet besser ist. Entscheidend ist vielmehr, in welcher Umgebung Ihr Workload betrieben wird. Im Folgenden erfahren Sie, was sich beim Betrieb der beiden Systeme auf einem Server tatsächlich unterscheidet.
Kosten und Lizenzierung
Linux kann kostenlos betrieben werden. Die gängigen Server-Distributionen lassen sich auf beliebig vielen Rechnern kostenlos installieren. Sie zahlen nur, wenn Sie kostenpflichtigen Support des Herstellers benötigen. Windows Server ist lizenzpflichtige Software. Sie zahlen pro Server. Die Lizenz ist normalerweise an die Anzahl der Prozessorkerne gebunden. Zusätzlich können eigene Lizenzen für den Clientzugriff erforderlich sein. Bei einem VPS zeigt sich das häufig in einem höheren Preis für einen Windows-Tarif gegenüber einem gleich großen Linux-Tarif, weil die Lizenzkosten bereits eingerechnet sind. Bei einer größeren Serverflotte wird dieser Lizenzunterschied zu einem festen Budgetposten.
Ressourcenbedarf
Linux benötigt weniger Ressourcen. Ein minimaler Linux-Server läuft problemlos mit wenig RAM und Speicherplatz, da keine grafische Desktop-Umgebung erforderlich ist. Dadurch eignet er sich besonders gut für kleine VPS-Tarife. Windows Server hat einen höheren Grundbedarf an Ressourcen. Windows Server Core reduziert die grafische Shell und senkt den Ressourcenbedarf. Ein Linux-Server, der dieselbe Aufgabe übernimmt, benötigt dafür in der Regel trotzdem weniger Arbeitsspeicher und Speicherplatz. Auf einem kleinen VPS entscheidet dieser Unterschied darüber, wie viele Ressourcen für die eigentliche Anwendung verfügbar bleiben.
Remoteverwaltung: SSH im Vergleich zu RDP und PowerShell
Sie verwalten einen Linux-Server über SSH, eine textbasierte Verbindung zur Shell. Sie ist ressourcenschonend, skriptfähig und funktioniert auch über eine langsame Verbindung zuverlässig. Windows Server wird über Remote Desktop mit einer vollständigen grafischen Sitzung verwaltet und zunehmend über PowerShell. PowerShell ist eine leistungsfähige Skript-Shell. Seit Windows Server 2019 enthält Windows Server außerdem optional einen OpenSSH-Server. Dadurch ist auch dort eine textbasierte Remote-Shell verfügbar. Beide Welten lassen sich inzwischen gut automatisieren. Der praktische Unterschied besteht darin, dass die Linux-Administration textorientiert ist und wenig Netzwerkbandbreite benötigt. Die Windows-Administration war traditionell grafisch orientiert, wobei PowerShell den Abstand verringert. Wenn Sie viele Server gleichzeitig verwalten, lässt sich das text- und SSH-basierte Modell mit Werkzeugen wie Ansible auf natürliche Weise skalieren.
Web- und Anwendungsstacks
Der Open-Source-Webstack ist unter Linux entstanden. Nginx, Apache, die meisten Datenbanken und die gängigen Sprachlaufzeiten laufen unter Linux am besten und sind dort am besten dokumentiert. Der klassische LAMP-Stack ist nativ für Linux. Windows Server stellt Web-Workloads über IIS bereit und ist die natürliche Plattform für das klassische .NET Framework und Microsoft SQL Server. Beachten Sie, dass das moderne .NET, früher .NET Core, plattformübergreifend ist und problemlos unter Linux läuft. Eine neue .NET-Anwendung erfordert daher nicht wie das alte Framework Windows. Stimmen Sie den Server auf den Stack ab: Open-Source-Webanwendungen unter Linux, Microsoft-spezifische Dienste unter Windows.
Active Directory und das Microsoft-Ökosystem
Dies ist der eindeutigste einzelne Grund für den Einsatz von Windows Server. Active Directory ist das Verzeichnis- und Identitätssystem, auf dem die meisten Windows-Netzwerke in Unternehmen aufbauen. Es ist eine Serverrolle von Windows Server und bildet die Grundlage für Gruppenrichtlinien, Single Sign-on und die zentrale Verwaltung von Windows-Desktops. Wenn Ihre Organisation Active Directory, Exchange oder andere Microsoft-Serverprodukte einsetzt, ist Windows Server für diese Rollen praktisch unverzichtbar. Ein Linux-Server kann einer Active-Directory-Domäne beitreten und sich dagegen authentifizieren. Er ersetzt jedoch nicht den Domänencontroller selbst.
Welche Variante sollten Sie also einsetzen?
Setzen Sie Linux für Webserver, das Hosten von Anwendungen, Container und alle Einsatzbereiche ein, in denen geringe Kosten, eine kleine Systemgröße und das Open-Source-Ökosystem wichtig sind. Das betrifft den überwiegenden Teil der aus dem Internet erreichbaren Workloads. Setzen Sie Windows Server ein, wenn Sie Active Directory, das klassische .NET Framework, Microsoft SQL Server oder eine ausschließlich unter Windows laufende Anwendung benötigen. Viele Organisationen setzen beide Betriebssysteme ein und wählen je nach Rolle. Wenn das Betriebssystem, das Sie mit Linux vergleichen, FreeBSD statt Windows ist, behandelt der Vergleich zwischen Linux und FreeBSD dieses Thema.
Wenn Sie die Unix-Seite umfassender betrachten, ist FreeBSD 15 als Serverbetriebssystem ebenfalls einen Blick wert.
FAQ
Ist Linux besser als Windows Server?
Keine der beiden Plattformen ist grundsätzlich besser. Linux ist die bessere Standardwahl für Webhosting, Container sowie kosten- oder ressourcenbeschränkte Server, weil es kostenlos und schlank ist und das Open-Source-Ökosystem darauf aufbaut. Windows Server ist die bessere Wahl, wenn Sie Active Directory, das nur unter Windows verfügbare .NET Framework, Microsoft SQL Server oder eine Geschäftsanwendung benötigen, die ausschließlich unter Windows läuft. Die richtige Entscheidung hängt von der Arbeitslast ab.
Ist Linux sicherer als Windows Server?
Keine der beiden Plattformen ist automatisch sicher, und beide lassen sich sicher betreiben. Linux bietet auf einem Server standardmäßig eine kleinere Angriffsfläche: Eine Minimalinstallation startet keinen grafischen Desktop und weniger Dienste. Außerdem sind Sicherheitsupdates bei jeder Distribution kostenlos. Windows Server ist ein größeres und einheitlicheres Ziel für Standard-Malware. Microsoft stellt jedoch nach einem planbaren monatlichen Zeitplan Updates bereit, und Windows Server lässt sich gut absichern. In der Praxis bestimmen die Erreichbarkeit, die Konfiguration und die konsequente Installation von Updates die Sicherheit deutlich stärker als der Name des Betriebssystems.
Warum ist ein Windows-VPS teurer als ein Linux-VPS?
Weil Windows Server lizenzierte Software ist und die Lizenzkosten in den Preis des Tarifs eingerechnet werden. Linux kann dagegen kostenlos betrieben werden. Ein Hoster zahlt Microsoft pro Server, um Windows anbieten zu können. Diese Kosten werden an Sie weitergegeben. Ein gleich großer Linux-VPS verursacht keine solchen Lizenzkosten und ist daher für dieselbe CPU-, Speicher- und Festplattenausstattung normalerweise günstiger.
Kann ich .NET-Anwendungen unter Linux ausführen?
Ja. Modernes .NET, früher als .NET Core bezeichnet, ist plattformübergreifend und läuft unter Linux gut. Neue .NET-Anwendungen benötigen daher kein Windows. Eine Ausnahme bilden das ältere, nur unter Windows verfügbare .NET Framework und Code, der von Windows-spezifischen Komponenten abhängt. Dafür ist weiterhin Windows Server erforderlich. Prüfen Sie vor der Auswahl des Betriebssystems, auf welches .NET eine bestimmte Anwendung ausgerichtet ist.
Benötige ich Windows Server für Active Directory?
Für einen echten Active-Directory-Domänencontroller: ja. Active Directory ist eine Windows-Server-Rolle. Für den Domänencontroller selbst gibt es keinen direkten Ersatz unter Linux. Linux-Server können einer Active-Directory-Domäne beitreten und sich dagegen authentifizieren. Samba 4 kann für kleine und mittelgroße Domänen als vollständiger Active-Directory-Domänencontroller fungieren. Dabei gibt es bekannte Einschränkungen bei Forest-Trusts und einigen neueren AD-Funktionen. Die meisten Microsoft-Produktionsnetzwerke betreiben ihre Domänencontroller jedoch weiterhin unter Windows Server.